7. Juni 1587: Papst Sixtus V. verbietet Kastrationen.
Farinellis (eigentlich Carlo Broschi (*24. Januar 1705 in Andria † 15. Juli 1782 Bologna) Bruder, oder wer auch immer für die Kastration Farinellis verantwortlich war, scheint dieses Verbot nicht besonders Ernst genommen zu haben.
Immerhin war er nicht alleine damit, denn Farinelli war bei weitem nicht der einzige Kastrat seiner Zeit.
„Dass die armen italienischen Kinder auch immer soo unglücklich fallen müssen“ wurde bisweilen gespottet.
Selbst dem erst 1922 gestorbenen Alessandro Moreschi, dem (zumindest offiziell) letzten „päpstlichen Kastraten“ hat das alte Verbot nicht geholfen.
1587 verbietet ein Papst Kastrationen, 1922 stirbt der letzte päpstliche Kastrat? Nein, das ist kein Widerspruch. Denn schon 1601 bot Papst Clemens VIII voller Gnade den Opfern der verbotenen und dennoch fortgeführten Praxis eine Stelle in der päpstlichen Kapelle. Doch schon 1904 wurden Kastraten im päpstlichen Chor (von Pius X.) verboten – nur Moreschi durfte bleiben.
Die von Moreschi erhaltenen Aufnahmen sind sicher nicht vergleichbar mit dem was Farinelli und seine Leidenszeitgenossen sängerisch zu leisten imstande waren. Man hört eine gealterte Stimme, in einem ganz anderen Stil ausgebildet.
Wie groß Farinellis Kunstfertigkeit war, lässt sich nur noch anhand der für ihn geschriebenen Arien einigermaßen abschätzen: Nicht nur hohe Töne, sondern auch ein unglaublich langer Atem sind ein Merkmal der Kastratenstimme.
Wie diese Partien wohl geklungen haben?